Kuchen

End of Summer: Die Aprikosen-Tarte

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Und plötzlich war Herbst… kennt ihr das auch, dieses Gefühl am ersten richtigen Herbst-Sonntag, wenn der Regen auf das Dach prasselt, ein leichtes Heulen vom Wind, manchmal ein Rauschen eines vorbeifahrenden Autos, dessen Reifen sich über die regennasse Strasse schieben. So eine Mischung aus Melancholie, heimelig fühlen, innerem Frieden und Vorfreude auf den Herbst… auf die leuchtend roten und gelben Blätter in der tiefstehenden Herbstsonne, auf Abende mit Tee und einem guten Buch, auf durchgefrorene Herbstspaziergänge und die erste Kürbissuppe… für mich hat der Herbstanfang immer etwas Magisches. Er bringt Veränderungen in der Natur und auch man selbst hat wieder Lust auf Veränderungen.
Der erste richtge Herbst-Sonntag ist für mich auf ein guter Zeitpunkt, den Sommer noch einmal Revue passieren zu lassen. Mit einer Aprikosen-Tarte geht das ziemlich gut, denn Aprikosen sind für mich Sommer pur. Gleichzeitig symbolisieren sie für mich auch etwas weibliches. Warum kann ich gar nicht genau sagen. Vielleicht ist es ihre runde Form, das sanfte Äußere, der harte Kern, der die Stärke der gesamten Frucht an sich bindet. Und auch der Sommer ist für mich eher weiblich. Vielleicht weil man dort einfach viel nackte Haut sieht und sich nackte Haut für Frauen grundsätzlich vorteilhaft bei der Partnersuche darstellt, während es umgekehrt eher andere Attribute sind.
Dem Sommer werden irgendwie immer schon gute Voraussetzungen zur Partnersuche unterstellt – im Urlaub sind wir locker und entspannt und der Urlaubs-flirt ist ja nun auch meist so ein Sommer-Konstrukt. Abgesehen davon sollen wir uns im Frühling und Sommer mal schön anstrengen, jemanden zu finden, damit wird den bösen, dunklen Herbst und Winter nicht alleine durchleben müssen. Und ich frage mich: WTF???

Es ist doch paradox: Da hinterfragen wir im andauernden Gender-Diskurs vorherrschende Machtstrukturen und eingefahrene Rollen, aber wenn es um die Frage nach der Partner-Wahl geht, meint man, dass wir uns noch immer da stehen, wo schon unsere vermeintlichen Vorfahren Adam und Eva standen. Dass der eine ohne den anderen nicht glücklich sein kann, ja, nicht existieren kann – oder darf. Der Druck der heute auf Singles – und insbesondere auf weibliche Singles – gemacht wird, steht im diametralen Verhältnis zur Genderdebatte. Es ist doch ein Witz, dass ein männlicher, erfolgreicher Single bewundert wird, während eine erfolgreiche Single-Frau mitleidig angesehen wird und mit den Worten „Du findest schon jemanden, der dich glücklich macht“, getröstet werden soll. Manchmal wird ihr auch geraten, sie solle sich anpassen, nachsichtiger sein, sich in Toleranz üben oder weniger wählerisch sein. Und ich frage nochmal: WTF????

Punkt eins: Wer, wen nicht ich selbst, hat die Macht, mich glücklich zu machen? In so ein Abhängigkeitsverhältnis möchte ich mich gar nicht begeben. Denn wenn mein Leben aus irgendeinem Grund einen Mangel hat, wie soll jemand anders diesen Mangel ausgleichen? Das ist nicht nur eine Last für den anderen, ich mache mich damit ja auch von dem anderen abhängig. Und das kann doch keiner ernsthaft wollen.

Punkt zwei: Wieso wird von Frauen immer noch verlangt, sie haben sich an den Mann anzupassen, seine Fehler zu tolerieren – am besten auch noch zu feiern, wenn er zum Beispiel die Arbeit über alles stellt, nur um seine eigene Unzulänglichkeit zu vertuschen. Und wieso soll ich nicht wählerisch sein? Wenn ich mir selbst etwas wert bin, muss ich doch wählerisch sein, sonst tue ich mir doch nichts Gutes damit.

Punkt drei: Wieso glauben wir eigentlich immer noch, dass das höchste Glück für jeden ist, in einer Paarbeziehung durch’s Leben zu gehen? Für einige mag das zutreffen, aber Lebensmodelle gibt es heute viele und trotzdem scheint es immer noch kein gesellschaftlich anerkanntes Lebensmodell zu sein, wenn man sich nicht dem Bund der Ehe anschließt. Ehe, Kinder und ein Haus sind Werte, die für viele zutreffen. Und wer jemanden findet, mit dem er all das teilen möchte, der kann dankbar sein. Genauso dankbar und glücklich können, dürfen und sollten aber auch diejenigen sein, die das nicht als ihre Lebenswirklichkeit ansehen. Und auch, wenn man die Lebensperspektiven eines anderen nicht versteht, sie einem fremd sind, sollte man akzeptieren, dass es sie gibt.
Und mal ehrlich: Die schönsten Nachmittage sind doch die, bei denen man in buntgemischter Gemeinschaft an einem Tisch sitzt, Kuchen geniesst und sich gegenseitig mit den unterschiedlichsten Erfahrungen bereichert… da muss sich nicht alle elf Minuten ein Single verlieben, denn dann bleibt ja nur noch Zweisamkeit…

In diesem Sinne,

esst mehr Aprikosen-Tarte zusammen 🙃

Eure Catharina ❤️

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Aprikosen-Tarte

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Menge: 1 Tarte Form Zeit: 30 min. Vorbereiten + 40 min. Backzeit

Zutaten

  • FÜR DEN BODEN:
  • 150 g Dinkelmehl
  • 75 g Rohrohr-Zucker
  • 75 g Butter
  • 1 Prise Salz
  • je 1/2 TL Zimt + Orangenschale
  • FÜR DEN BELAG:
  • 80 g Butter
  • 2 Eier
  • 50 g Rohrohr-Zucker
  • 1 Pck. Hafersahne
  • 1 Pck. Bio-Vanille Zucker
  • 1/2 TL Zitronenschale
  • 1 Prise Salz
  • 1 Pck. Bio-VanillePudding-Pulver
  • 2 EL Dinkelmehl
  • 6-7 frische Aprikosen (halbiert)

Zubereitung

1

Für den Boden die Teigzutaten glatt verkneten, zu einer Kugel formen und für ca. 30 Minuten im Kühlschrank kühlen.

2

In der Zwischenzeit die Butter schmelzen, lauwarm abkühlen lassen.

3

Die Eier trennen, das Eigelb mit Zucker, Vanille Zucker, Salz, Zitronenschale, Hafersahne und der flüssigen Butter ca. 4 Minuten lang aufschlagen.

4

Das Eiweiß steifschlagen und mit dem Puddingpulver und dem Mehl unter die flüssige Masse heben.

5

Die Aprikosen waschen, gut abtrocknen, halbieren und mit der Schnittfläche nach unten auf dem Belag verteilen.

6

Die Tarte im vorgeheizten Ofen bei 160 Grad Umluft ca. 40 Minuten goldgelb backen. Auskühlen lassen und geniessen.

Notes

Wer mag, mischt 2 TL Zucker mit 1 TL Zimt und bestreut die Tarte 10 Minuten vor Ende der Backzeit mit dem Zimt-Zucker.

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2 Kommentare

  • Antwort
    Anne
    23. September 2018 at 18:02

    So ein Aprikosenkuchen ist schon was Feines. Und zu zweit schafft man den doch auch gar nicht 😉 Da bietet es sich an, mehrere Menschen zu Besuch zu haben.

    Wenn ich an meinen Sommer denke, dann denke ich an eine sehr schöne Wochenendreise, die ich mit einem Freund unternommen habe. Wir hatten Lust, in eine Stadt zu fahren, die wir beide noch nicht kannten, um dort Fotos zu machen und eben die Stadt kennenzulernen. Das war mega relaxed. Ich habe dafür einige besorgte Blicke geerntet, wenn ich davon erzählte. Warum denn nicht mit _dem_ Freund? Ob der denn nicht eifersüchtig sei? Was denn da gelaufen wäre, ob man was verpasst hätte? Dass man als Paar alles gemeinsam zu erleben hat, ist so eine komische Annahme. Genauso wie die Annahme, dass es da ja immer ein secret love interest geben muss, wenn man mit einer Person des anderen Geschlechts was gemeinsam erlebt. So what. Das Wochenende war toll. Wir haben Ruinen fotografiert, Altpunker aus den 80ern kennengelernt und ein bisschen die Kioskkultur vermisst, die wir von hier kennen. Dafür war in jedem Spätkauf eine Party. Auch nett.

    • Antwort
      diesiemer
      26. September 2018 at 17:22

      … ja, das ist schon merkwürdig, dass die Konventionen unserer Gesellschaft so sehr Einfluss auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen nehmen… und vor allem, dass sich andere immer ein Urteil über alles und jeden bilden müssen. Vielleicht, weil es ihnen fremd vorkommt, dass man auch ohne sexuelle Gedanken eine Beziehung a.k.a. Freundschaft mit jemandem anderen Geschlechts haben kann. Als ob es immer nur darum geht. Auch in der Paar-beziehung. Wenn man da nicht die 1,75 mal statistischen Beischlaf-Zahlen in der Woche ausübt, ist die Beziehung ja schon gefährdet. Als ob man Intimität nicht auch anders erleben kann. Es gibt so viele merkwürdige Vorstellungen in Beziehungs-Themen. Da weiß ich gar nicht, wo anfangen…
      Aber solange es Kuchen gibt, ist alles safe 😉

    Senf dazugeben