Geschenke/ Kuchen

Modern Love: Mango-Muffins

diesiemer_mango_muffins_00

I’m still standing in the wind
But I never wave bye bye
But I try, I try

(David Bowie, Modern Love, 1983)

Als ich diese wunderbaren Muffins gebacken habe, kamen mir zwei Gedanken: Zunächst habe ich mich gefragt, wann ich eigentlich das letzte Mal für mich selbst etwas gebacken habe. Einfach so, um mir selbst zu danken. Die Frage war schnell beantwortet. Das letzte Mal, als ich als glücklicher Single in meiner Studentenwohnung in Hamburg lebte und die Samstag Abende gerne mit dem Ausprobieren von Rezepten und anschließendem Ausprobieren von Belichtungen und Filtern verbracht habe. Das brachte mich zur nächsten Frage: Warum war ich als Single damals glücklicher als heute? Und auch diese Frage ist relativ schnell beantwortet. Was aber nicht so schnell beantwortet werden kann und einiger tieferen Überlegungen bedarf, sind die Konsequenzen, die aus der Antwort hervorgehen. Aber von vorn.
Also warum war ich damals als Single glücklicher?

Kurz gesagt: das Alter. Und bevor jetzt die ersten laut aufseufzen und diese Betrachtung als oberflächlich und verkürzt titulieren, lasst mich das näher erläutern. Mitte Dreißig ist das ja so: Um dich herum wird fleißig geheiratet, Kinder werden in die Welt gesetzt und Häuser gebaut. Das ist auch gut und richtig so, denn unsere Gesellschaft ist darauf ausgelegt, dass wir Familien gründen. Die Familie wird noch immer als das höchste Gut angesehen und die Partnerschaft ist dafür nun einmal logische Voraussetzung. Ob nun gleichgeschlechtlich oder heterosexuell sei einmal dahin gestellt – der Kern bleibt der Gleiche: Die Familie gibt Halt.
Neben diesem sehr indviduellen Aspekt der Familie – denn niemand kann darüber urteilen, was für einen anderen der Begriff „Halt“ bedeutet – stehen die eher objekten Aspekte, die da lauten „das macht eben man so.“ Auch, wenn wir uns in unserer digitalisierten, globalisierten Gesellschaft/Welt lautstark gegen dieses „das macht man eben so“  wehren, ist es doch tief in uns verankert. Das wird spätestens dann deutlich, wenn die Menschen um dich herum mehr oder weniger subtil auf die – ticktack – biologische Uhr hinweisen.
Neulich zum Beispiel schrieb mir ein Bekannter, im angehenden Vaterglück schwelgend, ich solle nicht aufgeben, der Richtige werde schon kommen. Es war natürlich nett und aufmunternd gemeint, aber ich konnte damit nicht so richtig etwas anfangen. Wieso aufgeben? Ist das hier ein Wettkampf? Und wäre eine Abkehr vom anzustrebenden Familienglück und ein wohl überlegter Entschluss für das Single-Leben ein Aufgeben? Und was, wenn ich nicht „aufgebe“, dem Ziel, den Richtigen zu finden, weiter entgegen strebe, der Richtige, aber trotzdem nicht kommt? Wie deprimierend ist das denn dann bitte? Da scheint es mir doch vernünftiger, sich bewusst dem Single leben zuzuwenden und sich damit vom gesellschaftlichen Druck, den oder die Richtige_n zu finden, zu befreien.

Versteht mich nicht falsch, ich will das alles nicht ausschließen und Familien sind eine großartige Sache – jeder der mich kennt, weiß, wie sehr ich meine verrückte Familie liebe, sonst würde ich diesen Blog wohl kaum schreiben – aber die Erfahrung hat mir gezeigt, dass es auch tatsächlich sein kann, dass ein „bis ans Lebensende“ durchaus nicht für jeden vorgesehen ist. Schon eine wenigstens mittelfristige Beziehung, in der beide auf Augenhöhe und respektvoll miteinander umgehen, zusammen wachsen und sich weiterentwickeln, ist ein wertvolles Gut, das nicht so leicht zu finden ist.
Und es ist nun wirklich nicht so, dass ich es nicht versucht habe. Ich hatte einige Beziehungen. Alle fingen schön und überbewältigend an und wurden irgendwann zu einem komplexen Konstrukt aus verfehlten Erwartungshaltungen, die es am Ende zu verlassen galt. Manchmal komme ich mir vor wie eine Mischung aus Carrie und Charlotte aus Sex and the City: Ein Haufen Dates, einige Beziehungen und am Ende bleibt da doch nur die Hoffnung, dass ER irgendwann kommt. Wenn da nicht diese zunehmende Ernüchterung wäre, die mich wirklich zweifeln lässt, dass es einen Mr. Big gibt. Dafür müsste man(n) mich schon einmal sehr positiv überraschen. Und diese positive Überraschung liegt nun – anders als bei Carrie und Mr. Big – nicht in roten Luftballons aus einer Limosine ragend, sondern in einem Gegenüber, der in der Lage ist, sich zu reflektieren und das auch zu kommunizieren. Bisher habe ich das bei einem Mann selten erlebt. Und wenn, waren sie entweder nicht dem weiblichen Geschlecht zugewandt, vergeben oder eben einfach gute Freunde oder Kollegen und an mir als Frau so gar nicht interessiert.
Apropos Freunde: Da scheint es mir doch angebrachter, sich auf die guten Freunde zu konzentrieren. Stichwort „Halt geben“. Das können Freunde nämlich ziemlich gut. Und wenn ich ehrlich bin, bringt mir ein gutes Gespräch mit einer guten Freundin mehr, als dieses ewige gedate, bei dem man am Ende doch wieder denkt: „What the f*** war das bitte?“

Aber warum schreibe ich das? Weil ich glücklicherweise neben Freunden im jungen Familienglück auch viele Freunde und Bekannte habe, die sich genau das fragen und die ähnliches erlebt haben. Großartige Menschen, klug, gebildet, finanziell unabhängig, humorvoll, attraktiv – also alles mitbringen, was im öffentlichen Diskurs als für eine Partnerschaft zuträglich angesehen wird. Und trotzdem sind sie Single. Und ja, manchmal leidet man darunter. Aber dann stellt sich doch die Frage, ob man nun leidet, weil man denkt, das müsse so sein, wei man ja irgendwie „falsch“ ist, als Single oder weil man sich tatsächlich einsam fühlt. Sicherlich ist auch letzteres manchmal der Fall. Aber tatsächlich glaube ich immer mehr, dass es dann doch eher das Gefühl ist, ein nicht in der Tradition unserer Gesellschaft stehendes Leben zu führen, was einen leiden lässt. Und was sich in den Bemerkungen anderer manifestiert. Ticktack.

Also nee, ich denke, es ist heilsam für alle Mittdreißiger Singles sich mal mehr um sich selbst zu kümmern. Ich glaube, radikale Selbstliebe ist die modern Love unserer Generation. Sich öfter mal etwas gönnen – und wenn’s „nur“ Mango-Muffins sind.

In diesem Sinne wünsche ich Euch wundervolle Ostertage mit allem, was Euch glücklich macht

Eure Catharina ❤️

diesiemer_mango_muffins_05 diesiemer_mango_muffins_04 diesiemer_mango_muffins_03 diesiemer_mango_muffins_01

 

 

Buttermilch-Mango-Muffins

Rezept drucken
Menge: 12 Stück Zeit: ca. 25 min Zubereitungszeit + 20 Minuten Backzeit

Zutaten

  • 70 g Rohrorzucker
  • 2 Eier
  • 1 Prise Salz
  • 50 ml Rapsöl
  • 140 g Dinkelmehl (Typ 630)
  • 1 Packung Vanillepudding-Pulver
  • 1,5 TL Weinstein-Backpulver
  • 150 ml Buttermilch
  • 1/2 Mango (in Würfel geschnitten)
  • 1/2 TL getr. Orangenschalen
  • Papierförmchen
  • Puderzucker + Deko nach Lust und Laune

Zubereitung

1

Heizt den Backofen auf 180 Grad Umluft vor.

2

Gebt Zucker mit Eiern und Salz in eine große Schüssel und schlagt die Zutaten hellcremig auf. Anschließend das Öl einrühren.

3

Mischt das Mehl mit Puddingpulver, Backpulver sowie den Orangenschalen und rührt es im Wechsel mit der Buttermilch unter die Eimischung.

4

Zum Schluss die Mangowürfel unterheben.

5

Dann die Papierförmchen in die Mulden eines Muffinblechs setzen und mit Teig zu ca. 2/3 befüllen.

6

Ab in den Backofen für 15 - 20 Minuten auf der mittleren Schiene. Eventuell nach 15 Minuten mit Backpapier abdecken. Stäbchenprobe und herausgeholt.

7

Wer mag, verziert die abgekühlten Muffins mit Zuckerglasur und Osterdeko. Schmeckt aber bestimmt auch toll mit Schokoglasur 😉

Das könnte Dich auch interessieren

Keine Kommentare

Senf dazugeben