Geschenke/ Kuchen

Heartwarmin‘ Schoko-Kirsch–Käsekuchen

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Vor kurzem habe ich mich über Online-Dating Portale und Apps ausgelassen, die uns durch die Utopie des perfekten Partners „kompromiss-verkümmert“ machen. Man könnte nun meinen, dass ich Online Dating per se ablehne. Das Gegenteil ist der Fall. Auch unabhängig von der Partnersuche kann man dort tolle Menschen kennenlernen. Und manchmal, das muss ich zugeben, kann man zwischen dem hin- und her-geswipe und den mehr oder weniger gehaltvollen Konversationen in Text- und Emoji-Form auch wirklich Inspiration finde. Ja, ehrlich.
Zum Beispiel brachte mich ein Back-Sonntag, der begleitet war von einer solchen Kommunikation zu dem folgenden Thema: Freiheit.
Uff. Das muss man erst mal sacken lassen. Ich gebe zu, nicht gerade ein Thema für „cosy-Kommunikation“. Um das ein wenig zu relativieren, hier noch kurz eingeleitet, wie es zu diesem Schwergewicht an Thema kommen konnte: In einem der für Online-Dating typischen Text-Daten-Text-Wechsel berichtete ich von meiner Leidenschaft zum rezeptlosen Backen. Ich nannte das Wundertüte, mein Online-Kommunikationspartner nannte es Freiheit.
Freiheit? Ernsthaft? Bisher habe ich das Backen als Rezept als Unfähigkeit, sich an Anweisungen zu halten, bestenfalls als Fähigkeit zur Improvisation gesehen. Kann es also sein, dass Improvisation ein Ausdruck der Freiheit ist?

Und was ist das eigentlich – Freiheit? Um das zu klären, kann man mindestens eine wissenschaftliche Abhandlung schreiben.  Aber ich werde es mal kürzer versuchen:
Mal angenommen, Freiheit ist die Möglichkeit, sein Leben selbst zu gestalten und das eigene Leben in die Hand zu nehmen, so sollte man zunächst zwischen zwei Arten der Freiheit unterscheiden – positive Freiheit und negative Freiheit.
Unabhängigkeit von fremdem Zwang zu sein, beschreibt negative Freiheit, die Möglichkeit zur Gestaltung des eigenen Lebens wahrnehmen zu können, ist positive Freiheit. Um das zu können, brauche ich zwei Dinge: Die Sicherheit, das tun zu können, was ich tun möchte – nennen wir es Selbstvertrauen – und eine moralisch-ethische Vorstellung von den Konsequenzen meiner Handlung.
Freiheit ist dann niemals nur meine, sondern schließt das Interesse an der Freiheit des anderen mit ein. Mein guter alter Kumpel Immanuel hat das in seinem kategorischen Imperativ bekanntlich so ausgedrückt:

Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.

(Kant, 1788, § 7 Grundgesetz der reinen praktischen Vernunft in der Kritik der praktischen Vernunft

So weit so gut. Dazu muss ich als handelndes Subjekt allerdings wissen, was ich wollen kann und ich muss die Konsequenzen meines Handelns einschätzen können. Wenn ich – sagen wir mal – mir die Freiheit nehme, jemanden öffentlich z.B. in einem Facebook-Kommentar zu beschimpfen, weil ich mich frei fühle, dies zu tun, die Konsequenzen aber sind, dass derjenige verletzt ist, kann das schwerlich zu einem Freiheits-Gefühl desjenigen kommen, den ich beschimpft habe. Und noch weniger kann ein solch vermeintlich „freies“ Handeln als Maxime gelten können.

Freiheit, so denke ich, hat also immer etwas mit Verantwortung zu tun. Verantwortung für mich und andere. So zu handeln, dass die Freiheit bewahrt wird. Das klingt verdächtig nach einer Interpretation von Liebe. Und ich meine damit nicht die Vorstellungen der romantischen Liebe, sondern die der respektvollen Liebe. Denn auch da geht es darum, die Freiheit seines Gegenübers zu bewahren. Freiheit ist nicht nur mein eigener Anspruch in Hinblick auf mein eigenes Leben –  sie ist auch ein Maßstab für den Umgang mit anderen. Freiheit ist individuell, aber nie egozentrisch.

Insofern ist Backen sehr wohl eine Form der Freiheit: Ich brauche Selbstvertrauen in mein Handeln und mein Handeln steht in verantwortungsbewusster Relation zu meinen Mitmenschen bzw. sogar der Umwelt. Letzteres passiert, indem ich nach den Vorlieben derjenigen, für die ich backe, gehe.
So gesehen ist der Vorgang des Backens also tatsächlich ein Ausdruck von Freiheit. Und das ist eine äußerst befreiende Erkenntnis. Warum? Weil wir in den kleinen Dingen des Alltags unsere eigene Freiheit erkennen können und uns dann – und das ist das Wunderbare an der Erkenntnis – weniger in Zwängen des Alltags gefangen sehen. Denn wenn man für sich selbst erkennt, dass der Ausdruck der individuellen Freiheit in den kleinen Dingen liegt, ist das unglaublich befreiend und ja – heartwarmin‘ eben.

In diesem Sinne,

genießt die heartwarmin‘ Momente der (kleinen) Freiheit.

Eure Catharina ❤️

 

 

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