Geschenke/ Kuchen

The True One: Marmorkuchen

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Diesen Samstag war es wieder soweit: Sehr viele, sehr kleine Menschen schwirrten in bunten Gewändern und goldenen Kronen aus Pappe durch unseren kleinen Ort im oldenburger Münsterland. Die heiligen drei Könige waren los. Gut, bei uns dann eher Herrscharen der drei Könige – und manchmal waren es auch vier. Aber hey, wenn sich eine Institution wie die Kirche der freien Interpretation öffnet ist das doch famos. Besonders, wenn man in die stolzen, gespannten Gesichter der kleinen Könige schaut.
Auch, wenn ich mit der Institution Kirche wenig bis gar nichts zu tun habe und manchmal ob der teilweise sehr konservativen Vorstellungen und Meinungen, die im ländlichen Raum so vorherrschen, mich einfach nur wundern kann, so muss ich doch gestehen, dass das irgendwie eine schöne Tradition ist. Für die Kinder, weil sie einfach Spaß haben und stolz sind und für die ältere Generation, weil sie vielleicht damals genauso am 6. Januar durch die Strassen zogen, von Tür zu Tür, Gedichte aufsagend und dabei Spenden für einen wohltätigen Zweck sammelten. Das ist eben diese Bodenständigkeit, die mit Traditionen verbunden ist. Eine Eigenschaft, die ich hier auf dem Land wirklich schätze.
Überhaupt scheint Bodenständigkeit in unserer heutigen oft zitierten sogenannten „schnelllebigen“ Zeit zur Rarität verkommen zu sein. Fast schon scheint es so, als ob parallel zur Nennung des Begriffs „Schnelllebig“ der Wunsch nach Bodenständigkeit wächst. Aber der Wunsch bleibt doch irgendwie ein Wunsch. Keiner weiß mehr so genau, wie das eigentlich geht. Bodenständig sein. Oft wird es mit dem so unklaren Begriff „spießig“ gleich gesetzt und bekommt dadurch einen äußerst unattraktiven Anstrich.
Mittlweiler scheint es fast einfacher, uns weltgewannt zu geben, immer auf dem Sprung, immer ein wenig drüber. Reisend in alle möglichen Länder, uns und unsere Umwelt in Filter getaucht und auf dem Präsentierteller Instagram darbietend.
Es gibt kaum einen Fleck, der noch den Zauber des Unbekannten inne hat. Und dann müssen wir schon wieder weiter. Immer höher auf der Karriereleiter, dem hinterherhetzend, was uns die Spiegel der anderen Instagram, Facebook und Co offenbaren und unser eigener Instagram Kanal uns spiegelt. Wir haben uns eine Welt geschaffen, in der wir uns ständig irgendetwas spiegeln und spiegeln lassen – nur eben nicht mehr das, was wir sind. Sondern das wiedergeben, wie wir uns selber gerne sehen möchten. Dass mit Bodenständigkeit kaum vereinbar ist, liegt auf der Hand: Der Philosoph Martin Heidegger warnte schon vor rund 50 Jahren davor, dass unser Zeitgeist die Bodenständigkeit aufressen würde. Und er sollte damit Recht behalten.
Aber was haben wir eigentlich davon? Was soll an Bodenständigkeit gut sein, wenn die dazu im Gegensatz stehende Freiheit doch so greifbar nah ist? Und genau hier ist der Irrtum: Dass wir Freiheit als Gegensatz zur Bodenständigkeit setzen. Dabei ist sie die Voraussetzung für Freiheit. Hält man sich den Begriff ganz wörtlich vor Augen und betrachtet ihn aus einer physischen Sicht wird klar: Wer mit beiden Beinen im Leben steht, steht sicherer. Und Sicherheit ist notwendig für Mut, ohne die wir keine Freiheit geniessen können. Überträgt man das physische Bild auf unsere Lebenshaltung wird also klar, warum Bodenständigkeit nichts mit spießig zu tun hat.
Oder, um es in klaren, norddeutschen Worten zu sagen: Denn der Bodenständige scheisst mal auf das, was andere sagen. Er ruht in sich und macht dann auch einfach mal, anstatt darüber zu monologisieren, was er alles noch vor hat, in der Hoffnung, ein besserer (wie auch immer dieses „besser“ dann aussieht) Mensch zu werden.

Und deshalb braucht es auch keine Mirror Glaze Cakes, die dann doch wieder nur das eigene Spiegelbild verzerren, um das Leben spannender zu machen – meistens tut’s ein schnöder Marmorkuchen. Bodenständig und ehrlich. The true one eben. Einfach und gut und –mit lieben Menschen am Tisch.
Und wenn’s einem dann doch mal zu wenig glamour ist, naja, streut man eben ein paar güldene Kugeln oben drauf. So wie die kleinen Könige am 6. Dezember.

In diesem Sinne – more Bodenständigkeit less Abgehobenheit ✌︎

Eure Catharina ❤️

 

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Bester Marmorkuchen

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Menge: 1 Kastenform Zeit: 20 Min. Vorbereitung, 50 Min. Backzeit + Auskühlen

Zutaten

  • 200 g Margarine
  • 200g Rohrohrzucker
  • 1 Pck. Vanillezucker
  • 1 Prise Salz
  • 4 Eier
  • 300 g Dinkelmehl (Typ 630)
  • 2 TL Weinstein-Backpulver
  • 150 ml Sojadrink
  • 25 g Kakao
  • 1/2 TL Zimt
  • 100 g gemischte Beeren
  • dunkle Kuchenglasur + Kram zum Verzieren

Zubereitung

1

Zuerst die Margarine, 175 g des Zuckers, Vanillezucker und Salz mindestes 5 Minuten sehr cremig schlagen.

2

Nun die Eier einzeln unterschlagen, dabei jedes Ei gut verrühren.

3

Mischt Mehl und Backpulver und rührt es abwechselnd mit 100 ml Sojadrink unter.

4

Nehmt dann 1/3 des Teiges ab.

5

Vermischt Kakao, 50 ml Sojadrink und den Rest Zucker und rührt die Kakao-Mischung unter die 2/3 des Teiges.

6

Heizt den Backofen auf 180 Grad Umluft vor, fettet und mehlt eine Kastenform.

7

Nun gebt ihr erst die Hälfte des dunklen Teiges, dann den hellen Teig in die Form. Streut die Beeren auf den hellen Teig und zum Schluss den restlichen dunklen Teig darauf geben. Anschließend mit einer Gabel durch den Teig "fahren", um ihn zu marmorieren.

8

Nun ab in den Ofen un für ca. 50 Minuten backen. Nach ca. 30 Minuten mit Backpapier abdecken, damit er nicht zu dunkel wird.

9

Auskühlen lassen und mit Schokoglasur, Perlen etc. verzieren 🙂

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